ACADEMIA HABANOS

Die Welt der Habanos

Vollständig von Hand gefertigte Longfiller



Nachdem die Zeit ihr Werk vollbracht und jedes Blatt seine volle Reife erreicht hat, wird es Zeit, mit der eigentlichen Fertigung einer Habano zu beginnen.
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Die galera: Das Herzstück jeder Fabrik, der Arbeitsplatz, an dem die Zigarren von Hand gefertigt werden. Seit 1865 wird den torcedores (Zigarrenrollern) während der Arbeit von einem lector (Vorleser) vorgelesen.

Die folgenden Seiten beschreiben eine außergewöhnliche handwerkliche Kunst, die sich seit ihrer Entstehung vor über 200 Jahren fast unverändert erhalten hat.

Unterschiede bei der Fertigung

1. Totalmente a Mano Tripa Larga – Vollständig von Hand gefertigte Longfiller 

Bis auf wenige Ausnahmen werden alle Habanos vollständig von Hand aus ganzen Tabakblättern, als sogenannte Longfiller, gefertigt.

Entsprechend der vom Regulierungsbeirat für die geschützte Herkunftsbezeichnung (D.O.P.) Habanos festgelegten Grundsätze sind diese Zigarren ausschließlich von Hand gefertigte Longfiller, mit Einlage- und Umblättern, die Blatt für Blatt von Hand geerntet wurden, gewachsen ausschließlich auf den Vegas de Primera in der Vuelta Abajo*.

2. Totalmente a Mano Tripa Corta  – Vollständig von Hand gefertigte Shortfiller

Einige andere Marken und Formate werden ebenfalls vollständig von Hand gefertigt, aber ihre Einlagen enthalten Blattteile, also geschnittene Blätter. Dies sind dann Habanos, totalmente a manotripa corta – vollständig von Hand gefertigte Shortfiller.

Sie können aus Einlage- und Umblättern aller Tabakregionen Kubas, die eine geschützte Herkunftsbezeichnung tragen, gefertigt sein.

Vorbereitung der Deckblätter

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1. Die Entnahme der äußerst wertvollen Deckblätter aus den Ballen erfolgt, genau wie ihre Trennung voneinander (zafado), mit größtem Fingerspitzengefühl.

Die Deckblätter haben inzwischen ihre Reifelagerung durchlaufen und sind nun bereit für die letzte Auslese und die endgültige Einsortierung; jetzt werden auch ihre Mittelrippen entfernt (Foto 1).

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2. Bei der Befeuchtung werden die Deckblätter behutsam mit Wasser besprüht.

Die Befeuchtung (moja) verleiht ihnen optimale Voraussetzungen für das Entrippen und die Auslese; so können sie ihrer Bestimmung, eine Zigarre passend und ansehnlich zu umhüllen, gerecht werden.

Die gavillas, Bündel von jeweils 40 bis 50 Blättern (je nach ihrer Einsortierung), werden behutsam mit klarem Wasser besprüht. (Foto 2) Die überschüssigen Wassertropfen werden abgeschüttelt, um jede Art von Flecken auf der empfindlichen Blattoberfläche zu vermeiden. Die Blätter hängt man dann in spezielle Vorrichtungen, damit die Feuchtigkeit gleichmäßig aufgenommen wird.

Elektronisch gesteuerte Befeuchtungskabinen wurden in einigen großen Fabriken installiert, um diesen Vorgang zu auszuführen.

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3. Die zentralen Blattadern werden vollständig entfernt, bevor die Deckblätter nach Größe und Farbe sortiert werden.

Anschließend nehmen die kundigen Hände hochqualifizierter Männer und Frauen das Entrippen (despalillo) und das endgültige Einsortieren der Deckblätter (rezagado) vor. Mit einer einzigen, sicheren Handbewegung wird die zentrale Ader jedes Blattes vollständig entfernt; in zwei Hälften geteilt, werden diese dann durch das rezagado in ungefähr 20 Größenklassen und nach genau festgelegten Farbabstufungen sortiert.

In der Vergangenheit wurde diese Tätigkeit ausschließlich von Frauen ausgeführt. Während der Arbeit liegen Stapel von Tabakblättern auf ihren Oberschenkeln, was wohl zu dem Mythos geführt haben könnte, dass Habanos auf den Schenkeln kubanischer Jungfrauen gerollt werden (Foto 3).

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4. Wenn die Deckblätter die Arbeitsschritte des Entrippens und des endgültigen Einsortierens (rezagado) durchlaufen haben, werden sie – den jeweiligen Formaten zugeordnet, für die man sie später verwendet – gelagert.

Vorbereitung der Einlage- und Umblätter

Die Blätter, die für Einlage und Umblätter bestimmt sind, werden nun ebenfalls vorsichtig aus den Sackleinenballen herausgenommen, um nochmals überprüft zu werden.

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Falls notwendig, werden die Blätter auf Gestellen ausgebreitet, um die nötige Feuchtigkeit aufzunehmen, oder sie werden in den Trockenraum gebracht, um überschüssige Feuchtigkeit abzugeben. Danach lagern die Blätter zwischen einem und drei Tagen in Behältern aus Holz, bis sie bereit sind für ihre Verwendung.

Das Zusammenstellen der Mischung (ligada) 

Die Aufgabe, die Mischungen für jede einzelne Habanos-Marke entsprechend ihrer spezifischen Rezeptur zusammen zu stellen, beginnt schon lange, bevor die Sackleinenballen in der Fabrik ankommen.

Die Mischung jedes Formats innerhalb jeder Marke ist spezifisch und wird vom Tabakforschungsinstitut, in Zusammenarbeit mit Habanos s.a. als Teil des Regulierungsbeirates, überwacht, um die Qualität und den geschmacklichen Charakter jeder Zigarre sicherzustellen.

Die Aufgabe des ligadors – des Mischungsmeisters – besteht darin, in jeder Fabrik dafür zu sorgen, dass die festgelegten Kritierien eingehalten werden.

Sobald den Mitarbeitern der Produktionsplanung in der Fabrik die zu produzierenden Habanos-Marken und Formate bekannt sind, erstellt der Mischungsmeister (ligador) eine Liste aller Tabakblätter, die er für ihre Herstellung benötigt.

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Im Zentrallager wird dann aus der großen Anzahl von Sackleinenballen die entsprechende Auswahl getroffen. Die Ballen enthalten alle Arten von Blättern– sortiert nach ihrem tiempo (medio tiempo, ligero, seco, volado und Umblatt), ihrer Größe und Alter. Das wichtigste Kriterium dabei ist jedoch ihre jeweilige Herkunft.

Selbst innerhalb Kubas unterscheiden sich Blätter verschiedener Herkunftsregionen im Geschmack deutlich voneinander. Die vegas de primera sind darüber hinaus imstande, auf ihren verhältnismäßig geringen Anbauflächen eine umfangreiche Palette verschiedenster Geschmacksnuancen hervorzubringen, die sich zudem noch signifikant von einer Anbaufläche zur anderen unterscheiden. So kann beispielsweise der auf der einen Seite der Landstraße in der Vuelta Abajo angebaute Tabak ganz anders schmecken als der auf der anderen Seite gezogene.

Jede Zigarrenfabrik hat ihre festen Zulieferbetriebe, die sie mit den für die Herstellung einer spezifischen Habanos-Marke benötigten Blättern aus der jeweiligen Region beliefern. Dennoch entnimmt der ligador täglich Stichproben der verwendeten Blätter. Er kennt die Rezeptur für jedes Format einer Marke und ist für ihre Einhaltung verantwortlich.

Der ligador legt in Übereinstimmung mit dem Tabakforschungsinstitut für jede zu produzierende Zigarre fest, in welchem Verhältnis die verschiedenen Blattsorten dafür zusammenzustellen sind.

Die Abteilung für die Mischungen (ligadas) wird la barajita (Mischen von Spielkarten) genannt, da das Zusammenstellen der Blätter für die Einlage einer Zigarre dem Kartenmischen ähnelt. Sie stellt Partien in genau festgelegtem Verhältnis her, die sie täglich den Zigarrenrollern (torcedores) übergibt, damit diese ihre Arbeit verrichten können.

Jetzt endlich, mehr als drei Jahre, nachdem das erste Blatt geerntet wurde, ist der Moment gekommen, wo es zum Bestandteil einer Habano wird.




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